Der Wissens­transfer

Wissenstransfer bezeichnet den Transfer von Wissen von einer Person auf eine oder mehrere andere Personen und kann auf verschiedene Weise erfolgen:

1. Mündlicher, direkter Transfer

Es handelt sich dabei um ein klassisches Sender-Empfänger-Modell. Jeder Mensch entscheidet individuell, wie er Wissen anwendet und in welcher Form es verbalisiert bzw. weitergegeben wird. Bei der Weitergabe muss der Sender das Wissen bzw. die Information kodieren, also in Worte fassen und aussprechen. Der Empfänger hingegen hört das Gesagte, nimmt es auf und interpretiert es.

Die Vorteile

  • Sender und Empfänger können sich direkt austauschen.
  • Das Wissen kann ohne Hilfsmittel wie z. B. einen Computer vermittelt werden.
  • Ein Großteil des Erfahrungswissens kann so situativ weitergegeben werden.
Direkter Transfer zwischen Sender und Empfänger
Direkter Transfer zwischen Sender und Empfänger

Die Nachteile

  • Das Wissen kann nur von anwesenden Personen gehört und aufgenommen werden − es wird zu deren implizitem Wissen.
  • Das neue implizite Wissen kann schnell in Vergessenheit geraten.
  • Das Wissen wird nicht schriftlich erfasst, daher nicht gesichert, und kann zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr eingesehen werden.

Es ist grundsätzlich zu beachten, dass das Wissen des Senders nie 1:1 beim Empfänger ankommen kann. Dies kann dazu führen, dass Wissen missverstanden und später fehlerhaft angewendet wird. Roth und Klett betrachten das Thema aus neuropsychologischer Sicht und stellen fest,

Zitat_Roth_und_Klett

Der Sender kann also nicht kontrollieren, wie das Gehirn des Empfängers die Botschaft gedanklich verarbeitet. Für ihn ist somit nicht nachvollziehbar, ob seine Botschaft im beabsichtigten Sinne beim Empfänger angekommen ist oder nicht. Will er sichergehen, dass der Empfänger alles richtig verstanden hat, muss er ihn bitten, das Gehörte nochmals in seinen eigenen Worten wiederzugeben. Der direkte Transfer wird vor allem in kleinen Unternehmen und Orga­nisationen gelebt. Dennoch ist er auch in großen Unternehmen von erheblicher Bedeutung.

Der direkte Transfer wird vor allem in kleinen Unternehmen und Orga­nisationen gelebt. Dennoch ist er auch in großen Unternehmen von erheblicher Bedeutung.

2. Schriftlicher Transfer

Es handelt sich dabei um ein erweitertes Sender-Empfänger-Modell, bei welchem Sender und Empfänger über ein Medium wie beispielsweise eine E-Mail, ein Wiki, ein Intranet, ein Dokument o. Ä. kommunizieren. Der Wissenstransfer über ein Medium wird oft in größeren Firmen gelebt.

Der Vorteil

  • Das Wissen ist schriftlich erfasst.
Indirekter Transfer zwischen Sender und Empfänger
Indirekter Transfer zwischen Sender und Empfänger

Allerdings wird das entstandene Wissen eben nur erfasst und nicht nachhaltig in einer Wissensdatenbank gesichert. Somit ist nicht sichergestellt, dass das Wissen allen Personen mit Zugang zum Medium zur Verfügung gestellt bzw. zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgerufen und angewendet werden kann.

Die Nachteile

  • Fragen des Empfängers können nicht direkt beantwortet werden.
  • Das explizite, erfasste Wissen bedarf oft einer Erklärung, damit der Inhalt verstanden werden kann.