Wissens­management ist Führungs­verant­wortung

Immer mehr Unternehmen setzen bei der Auswahl ihrer zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf offene, selbstständige, begeisterungsfähige Menschen, die bereit sind, ihr Wissen und ihre Expertise zu teilen. Eine wichtige Voraussetzung, wenn ein Unternehmen sich bereits mit dem Thema auseinandersetzt oder überlegt, Wissensmanagement zukünftig einzuführen.

Fast alle Methoden des Wissensmanagements sehen den Menschen als zentrale Schlüsselfigur, die über den Erfolg von Wissensmanagement entscheidet. In den vergangenen zwanzig Jahren hat die Firma Meusburger immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es dabei nicht nur um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht: Vor allem die Eigentümer, Geschäftsführer und Führungskräfte entscheiden mit ihrem Verhalten, ihrer Denkweise, ihrem Engagement und ihrer Vorbildfunktion über den Erfolg oder Misserfolg von Wissensmanagement im Unternehmen – damit ist es also Führungsverantwortung!

Wissensmanagement-ist-Fuehrungsverantwortung

Manch einer wird sich nun wundern, warum wir nicht die klassische Formulierung „Wissensmanagement ist Führungsaufgabe” gewählt haben. Das hat einen einfachen Grund: die Aufgaben können von einer Führungskraft an einen kompetenten Mitarbeiter delegiert werden. Die Verantwortung kann jedoch nicht von sich gewiesen werden.

Die Führungskraft soll in der Erfassung und Weiterentwicklung von Wissen einen gewissen Wert sehen und darum bemüht sein, diesen Wert nachhaltig zu erhöhen. Das kann durchaus mit einem Bankkonto verglichen werden, auf das regelmäßig eingezahlt wird. Im Verantwortungsbereich einer Führungskraft liegen somit auch die Identifikation von bestehendem, implizitem Wissen und das Delegieren der Wissenserfassung an einen Wissensmanager oder einen geeigneten Wissensträger.

Um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schulen und an die Arbeit mit Wissensdokumenten zu gewöhnen, sollen Führungskräfte bestehende WiDoks bei Arbeitsgesprächen immer wieder einbeziehen. Ein Vorgesetzter kann beispielsweise das Wissen in einem WiDok bei einem Arbeitsgespräch als Grundlage heranziehen und bewusst auf die Inhalte des WiDoks eingehen. Bezieht sich die Führungskraft im Gespräch öfters auf das WiDok, so werden einerseits die eingesetzten Begrifflichkeiten vermehrt in den Sprachgebrauch aufgenommen und anderseits die Qualität des bereits erarbeiteten Wissens bewusst ins Gespräch übernommen. Das Meeting wird auf ein höheres Niveau gehoben und die Teilnehmer erfahren eine Art inhaltliche Schulung. Zudem wird durch das WiDok schneller eine gemeinsame Basis gefunden. Durch das bewusste Heranziehen eines WiDoks wird allen Teilnehmern des Meetings zudem der Wert des Wissensmanagements vor Augen geführt und sie gewöhnen sich an diese Arbeitsweise.

Gerade im Hinblick auf ein erfolgreiches, lebendiges Wissensmanagement müssen Führungskräfte eine Vorbildfunktion einnehmen. Sie geben damit einen klaren Kurs vor und gestalten die entsprechenden Rahmenbedingungen. Das Führungsverhalten hat einen starken Einfluss auf das Arbeitsklima und die Unternehmenskultur, sowie auf die Bereitschaft der Wissensgenerierung und Wissensteilung.

Ein Teil der Führungsverantwortung liegt auch klar darin, die Leistung der Wissensträger mit Lob und Anerkennung zu honorieren. Gerade Wissensträger, die offen sind und ihr Wissen aktiv mit anderen teilen, sind oft die wertvollsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie optimale Multiplikatoren.

Auf lange Sicht sollte sich jede Führungskraft – im Sinne der wissensorientierten Unternehmensführung – folgende Fragen stellen:

  • Wie gut ist mein Unternehmen organisiert?
  • Wird Wissen bereits festgehalten und wenn ja, wo und wie?
  • Was passiert langfristig mit diesem Wissen?
  • Welches Wissen benötigt das Unternehmen zukünftig?